abhängig Beschäftigte

41 Millionen arbeiteten im 1. Quartal als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (siehe Pressemitteilung Nr. 171 des Statistischen Bundesamtes vom 19. Mai 2020). Das sind ca. 90 % aller Erwerbstätigen. Die restlichen 10 % arbeiten als Selbstständige, davon über die Hälfte als Soloselbstständige (Quelle). Insgesamt arbeiteten im 1. Quartal 2020 rund 45 Millionen als Erwerbstätige.


Der Begriff Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer wird hier im Sinne der Erwerbstätigenrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes verwendet. Zu den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Beschäftigte mit geringfügiger Entlohnung, Führungskräfte, Personen in Ausbildung, Beamte und Beamtinnen, Soldatinnen und Soldaten u. a, also nicht nur Personen in einem Arbeitsverhältnis (siehe Glossar im Statistischen Jahrbuch 2019 S. 382).


Der Begriff abhängig Beschäftigte im Sinne dieser Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist dagegen auf Personen in einem Arbeitsverhältnis beschränkt (a .a .O.). In diesem Sinne wird der Begriff abhängig Beschäftigte auch im Sozialversicherungsrecht (§ 7 Abs. 1 SGB IV) und in zahlreichen Tarifverträgen gebraucht und entspricht dem arbeitsrechtlichen Begriff des Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin; dabei wird ein Arbeitnehmer als eine Person definiert, die durch den Arbeitsvertrag im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet wird (§ 611a Abs. 1 BGB) ; im Jahr 2018 waren das 33,7 Millionen Menschen (Quelle).


Der Begriff Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer ist in jedem Fall irreführend: Wenn ein Unternehmer oder Dienstherr den abhängig Beschäftigten zu einer bestimmten Arbeit verpflichtet, führt der abhängig Beschäftigte diese Arbeit aus und gibt damit Arbeit. Warum lassen wir uns bis heute von Anderen die Begriffe vorgeben für das, was wir sind?


Friedrich Engels in seinem Vorwort zur 3. französischen Auflage von “Das Kapital” von Karl Marx:

“Es ist also in dieser dritten Auflage kein Wort geändert, von dem ich nicht bestimmt weiß, dass der Verfasser selbst es geändert hätte. Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das “Kapital” den landläufigen Jargon einzuführen, in welchem deutsche Ökonomen sich auszudrücken pflegen, jenes Kauderwelsch, worin z. B. derjenige, der sich für bare Zahlung von andern ihre Arbeit geben läßt, der Arbeitgeber heißt, und Arbeitnehmer derjenige, dessen Arbeit ihm für Lohn abgenommen wird. Auch im Französischen wird travail im gewöhnlichen Leben im Sinn von “Beschäftigung” gebraucht. Mit Recht aber würden die Franzosen den Ökonomen für verrückt halten, der den Kapitalisten donneur de travail, und den Arbeiter receveur de travail nennen wollte”
(http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_033.htm; siehe auch
https://neusprech.org/arbeitgeber/)

Schreiben Sie einen Kommentar