Gawlik an Deutsche Botschaft

Dr. Lothar Gawlik ● Hunrodstr. 5 ● 34131 Kassel  ●  Deutschland

Deutsche Botschaft Herrn Dr. Otto Lampe Wiöadingweg 83

CH 3006 Bern Schweiz

nachrichtlich:

Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland Herrn Christoph Zeller, Honorarkonsul Bendererstraße 2

FL 9494 Schaan Fürstentum Liechtenstein

Kassel, den 21. Januar 2015

Sehr geehrter Herr Dr. Lampe,

ich wende mich mit einem für mich wichtigen Anliegen an Sie.

Mein Name ist Dr. Lothar Gawlik, ich bin Arzt. Bis heute habe ich die Qualifikation des Internisten und Allgemeinmediziners neben zahlreichen Zusatzbezeichnungen erreicht. Zum 1. Juni 2013 habe ich in Liechtenstein meine Traumstelle angeboten bekommen. In stellvertretender Chefarztposition des Liechtensteinischen Landesspitals (LLS) durfte ich mein gesamtes Fachwissen einbringen.

Insbesondere das Erarbeiten der Strukturen der modernen Notfallambulanz, die zu einem Spital dieser Größe gehört. Mit viel Engagement und persönlichem Einsatz habe ich mich für das Spital und die Patienten eingesetzt (siehe Anlage 1).

Ende Juli 2014 zog dann schlussendlich meine Familie ins Rheintal nach, da sich alles sehr gut entwickelt hatte und die Perspektive der Lebensstelle entsprechende Sicherheit bot.

Was dann geschah, haben Sie oder Ihre Mitarbeiter vielleicht in den Medien verfolgt.

Ende August bzw, Anfang September wurde ich von Mitarbeitern, als auch durch die Begegnung mit einer Patientenangehörigen selbst, aufmerksam auf unklare Todesfälle im LLS.

Durch eine strikte Arbeitsteilung mit dem Chefarzt, hatte ich nur sporadisch die Versorgung der stationären Patienten zu begleiten, d.h. am Wochenende oder im Urlaubs/Krankheitsfall des Chefarztes.

Was ich dann in den entsprechenden Krankenakten las, brachte mich in eine schwierige Situation. Ich glaubte an eine fehlerhafte Dokumentation oder eine ungünstige Wortwahl, fand aber in nur Wochen zurückliegenden Fällen ebenfalls Unregelmäßigkeiten.

Der Druck, als Arzt, gerade in dieser Position, handeln zu müssen und die Angst vor den Konsequenzen, waren sehr hoch, zumal Gefahr im Verzug war.

Nachdem ich die Morphin-­‐Infusion bei einem Patienten entfernt habe (Patient lebt noch heute), war ich sicher davon überzeugt, handeln zu müssen.

Der Austausch mit ärztlichen Kollegen, gab mir viel Halt in dieser Zeit. Kein ärztlicher Kollege -­‐ von dem Chefarzt einmal abgesehen -­‐ zweifelte damals die Richtigkeit meines Handelns an. Niemand aber rechnete mit der Spezifität der Liechtensteinischen Strukturen.

Meine Anzeige wegen Sterbehilfe, wurde leider zu einem Politikum. Der einzige und eigentliche Ansatz, Patienten zu schützen, wurde vollständig vernachlässigt. Schnell meldete sich die Ärztekammer zu Wort, wie auch der Gesundheitsminister. Keine dieser Institutionen hat jemals Kontakt mit mir aufgenommen, niemals das Gespräch gesucht.

Es lag mir völlig fern, dem Spital zu schaden, es ging mir einzig um die Patienten. Vielleicht ist es mir nicht nur als Arzt, sondern eben auch als Deutschem eine Mission gerade Sterbehilfe genau zu betrachten und zu hinterfragen. Eine Pauschalaussage wie „die Patienten hätten ohnehin alle sterben müssen“ sind für mich nicht akzeptabel. Eine Mutter gefragt, ob sie ihr Kind noch ein halbes Jahr (oder länger?) begleiten möchte, würde wohl kaum ablehnen.

Was mit diesen Patienten geschah, hatte nichts mit Palliativmedizin zu tun und liegt nach deutschem, internationalem Verständnis nicht im Bereich des Akzeptablen (siehe Anlage 2).

Ich habe mit dem Verlust meiner Lebensstellung auch meine Reputation verloren. Die beruflichen und wirtschaftlichen Konsequenzen für mich und meine Familie (3 Kinder) sind nur schwer bezifferbar.

Derzeit wird vor dem Arbeitsgericht die fristlose Kündigung meines Arbeitsverhältnisses verhandelt und ich warte auf eine Verleumdungsklage durch die Staatsanwaltschaft.

Ich darf Ihnen an dieser Stelle nochmals versichern, dass ich alleine aus der Sichtweise mit der Verpflichtung des Arztes gehandelt habe.

Meine Familie und ich wären Ihnen unendlich dankbar, wenn Sie eine Möglichkeit sähen, uns zu helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Anlagen:

1            Geschäftsbericht 2013 LLS

2.           Gutachten Mielk

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