Ein Jahr nach den Morden in Hanau

No Justice, no peace

Ein Jahr nach dem Morden in Hanau fanden in mehr als hundert Städten Kundgebungen zur Erinnerung statt. Alle vereinte die Überzeugung: Der Rassismus ist strukturell und systemisch. Noch immer nicht ist der Nazismus mit seinen Wurzeln vernichtet, wie es gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Häftlinge im Konzentrationslage Buchenwald in ihrem Schwur forderten.

Am ersten Jahrestag der Morde von Hanau sagten Rednerinnen und Redner: „Erinnern heißt verändern. Wir sind der Widerstand“.

Vor einem Jahr riefen viele gewerkschaftliche Gliederungen und auch einige Gewerkschaften insgesamt zu Arbeitsniederlegungen am Tag der Trauerfeier am 4. März 2020 auf. Diesen Aufruf befolgten die Beschäftigten in großen Betrieben wie etwa der Daimler AG in Sindelfingen, Bremen und Berlin, der VW AG in Kassel und der Adam Opel AG in Rüsselsheim, im Stahlwerk ArcelorMittal in Bremen, aber auch in vielen kleinen Betrieben. Sie drückten damit ihre Trauer und Entschlossenheit aus, dem rassistischen und menschenverachtenden Hass und seinen Wegbereitern entgegenzutreten.

Über diesen Widerstand wurde in der Öffentlichkeit wenig berichtet. Aber es war eine wichtige Erfahrung: Es geht. Es ist möglich aus diesen politischen Gründen die Arbeit niederzulegen.

Zum Teil waren die gewerkschaftlichen Aufrufe jedoch zu kurzfristig, so dass sie kaum noch befolgt werden konnten. Das sollte in Zukunft besser gemacht werden. Denn es ist nicht auszuschließen, dass wieder von Rassisten und Nazis gemordet wird. Denn „der Boden ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ (Bertold Brecht).

Viele Mitglieder der größten und ältesten antifaschistischen Organisation der VVN-BdA sind auch in der Gewerkschaft organisiert und dort auch aktiv. Wir bauen auf die langen antifaschistischen Traditionen in den Gewerkschaften. Wir rufen dazu auf, in den Gewerkschaften Beschlüssen zu fassen, die dafür sorgen, dass in Zukunft rasch reagiert und umfassend mobilisiert wird. Die Antwort auf dieses Morden muss auch aus den Betrieben und Büros kommen. Das trägt dazu bei, dass in Betrieben und darüber hinaus rassistischen, völkischen und nazistischen Bestrebungen das Wasser abgegraben und Unzufriedenheit nicht auf diese Mühlen geleitet wird. Wir sind der Widerstand.

No Justice, no peace. „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung

Foto: mit freundlicher Genehmigung die LINKE-Neukölln und Ferat Kocak, Gedenken am Rathaus Neukölln – 19.02.2021