Erinnerung an einer ähnlichen Aktion 2018
P R E S S E I N F O R M A T I O N
Pflegekräfte laufen mit Pflegebett von Magdeburg nach Berlin – Aktion für grundlegende Nachbesserungen bei der Pflegereform
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) macht mit einer spektakulären Aktion auf drohende Verschlechterungen in der Altenpflege aufmerksam. Seit Sonntag (30. August 2026) laufen Beschäftigte aus Pflegeeinrichtungen mit einem Pflegebett von Magdeburg bis zum Bundestag in Berlin; heute werden sie in Potsdam und morgen in Berlin erwartet, bevor am Montag (7.September 2026) das Ziel am Reichstagsgebäude in Berlin erreicht wird.
„In vielen Einrichtungen müssen Beschäftigte jeden Tag an ihre Grenze gehen, um die Versorgung aufrecht zu erhalten“, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler zum Start der Aktion. „Jetzt gehen sie mit einem Pflegebett 204 Kilometer nach Berlin, um den politisch Verantwortlichen klarzumachen, was auf dem Spiel steht.“ Der Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz müsse grundlegend überarbeitet werden.
Der Altenpfleger und Betriebsrat Johannes Hermann, einer der beiden Initiatoren der Aktion, kritisierte die geplante Aussetzung der Tariflohnpflicht und die unzureichende Refinanzierung von Tariferhöhungen. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel getan, um die Arbeit in der Altenpflege attraktiver zu machen“, sagte der ehrenamtliche Vorsitzende des ver.di-Fachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen. „Für die pflegebedürftigen Menschen und die Beschäftigten wäre es fatal, das nun wieder zurückzudrehen.“ Die Aktion wende sich auch gegen die Kürzung von Zuschüssen für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen.
„Die Bundesregierung hat mutige Reformen angekündigt“, sagte Bühler, „doch Kürzungen bei einer der schwächsten Gruppe unserer Gesellschaft und denen, die sie pflegen und versorgen, sind nicht mutig, sondern armselig.“ Die Pflegeversicherung müsse dringend zukunftsfest gemacht werden. Das bedeute vor allem eine solide und nachhaltige Finanzierung. Versicherungsfremde Leistungen wie die Maßnahmen während der Corona-Pandemie und die Rentenversicherung pflegender Angehöriger müssten endlich aus Steuern finanziert werden. „Das würde die Pflegeversicherung um viele Milliarden Euro entlasten und Beitragserhöhungen vermeiden“, erläuterte Bühler.
„Ein Finanzausgleich zwischen gesetzlicher und privater Versicherung würde Ungerechtigkeiten beseitigen“, so die Gewerkschafterin weiter. „Darüber hinaus sollten Beiträge auf alle Einkommensarten erhoben werden, auch zum Beispiel auf hohe Mieteinnahmen und Aktiengewinne. Das würde dauerhaft eine bedarfsgerechte Pflege für alle ermöglichen.“ Auf dieser Grundlage könne die Pflegeversicherung, wie jüngst auch vom Deutschen Städtetag gefordert, zu einer Vollversicherung weiterentwickelt werden, die alle pflegebedingten Kosten abdeckt. „Eine Solidarische Pflegegarantie würde dafür sorgen, dass Menschen nach einem langen Arbeitsleben nicht mehr den Gang zum Sozialamt antreten müssen. Und sie wäre eine dringend nötige Entlastung der Kommunen, die schon heute in erheblichem Maße mit Hilfen zur Pflege einspringen müssen“, sagte Bühler.
Der langjährig in der Altenpflege beschäftigte Gewerkschafter Hans-Jürgen Schneider aus Moers zeigte sich zuversichtlich, dass sich an den Plänen der Bunderegierung noch etwas bewegen lässt: „Es ist ein erster großer Erfolg der seit Wochen andauernden Proteste, dass Rentenbeiträge pflegender Angehöriger jetzt doch nicht gekürzt werden sollen“, sagte Schneider, der die Aktion mitinitiiert hat. „Wir machen Druck, damit Menschen bei Pflegebedürftigkeit gut abgesichert sind und wir Beschäftigte in der Altenpflege zu guten Bedingungen arbeiten können. Dafür ist uns kein Weg zu weit.“
Hinweis für die Redaktionen
Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen, die Tour journalistisch zu begleiten. Sowohl einzelne Abschnitte auf der Strecke als auch der Abschluss am Montag eignen sich sehr gut für Bild- und Tonaufnahmen.
Ziel: Am Montag, 7. September 2026, werden die Forderungen um 16 Uhr beim Zieleinlauf vor dem Reichstagsgebäude (Paul-Löbe-Allee/Friedrich-Ebert-Platz) an Bundestagsabgeordnete übergeben. Vor Ort werden auch der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke und das ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler sein.
Weitere Informationen zum Streckenverlauf und zu den geplanten Aktionen vor Ort sowie Kontakt für unterwegs: Matthias Gruß (mobil 0151.730.111.22, Matthias.gruss@ver.di.de), Nicole Knaup (mobil 0151.5211.9113, nicole.knaup@verdi.de)
Weitere Informationen online: 204 km für die Pflege | ver.di
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Erinnerung an einer ähnlichen Aktion im Jahre 2018
„Mit Rollstuhl zu Spahns Ministerium“
Arnold Schnittger hat dem neuen Gesundheitsminister Jens Spahn einen offenen Brief geschrieben und sich zu Fuß aus Hamburg auf den Weg gemacht, um mit Herr Spahn über die Pflege zu reden. Am 6. April kommt Arnold in Berlin an
: Arnold Schnittger, ein Vater aus Hamburg, pflegte seinen schwerbehinderten Sohn Nico.
Unter dem Motto „Herr Spahn, wir müssen reden!“ kritisierte er die enorme finanzielle und körperliche Belastung von Eltern behinderter Kinder. Er selbst musste zeitweise von Hartz IV leben, um die Pflege seines Sohnes abzusichern.
Im Anschluss an den Brief startete Schnittger einen Protestmarsch. Er lief im März und April 2018 rund 280 Kilometer zu Fuß von Hamburg nach Berlin und schob dabei den Rollstuhl seines Sohnes.
Eine kleine Bildergaleie von der Begrüßung als Arnold mit Nico angekommen sind.






Fotos; Ingo Müller