Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer

siehe auch abhängig Beschäftigte.

Der Begriff Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer wird unterschiedlich definiert.

In der Erwerbstätigenrechung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes werden zu den Arbeitnehmerinnnen und Arbeitnehmern nicht nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Beschäftigte mit geringfügiger Entlohnung gezählt, sondern auch Führungskräfte, Personen in Ausbildung, Beamte und Beamtinnen, Soldatinnen und Soldaten u. a, also nicht nur Personen in einem Arbeitsverhältnis (siehe Glossar im Statistischen Jahrbuch 2019 S. 382).

Dagegen werden im Arbeitsrecht nur Personen in einem Arbeitsverhältnis als Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmerinnnen bezeichnet, also Personen, die durch einen Arbeitsvertrag im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet werden (§ 611a Abs. 1 BGB) ; im Jahr 2019 waren das 34 Millionen Menschen.

Der Begriff Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer ist in jedem Fall irreführend: Anders als der Begriff Arbeitnehmer unterstellt nimmt er nicht Arbeit, sondern allenfalls Anweisungen zur Arbeit entgegen. Dass er entsprechend dieser Anweisungen arbeitet, also Arbeit gibt, unterschlägt der Begriff Arbeitnehmer und verkehrt das sogar in sein Gegenteil. Warum lassen wir uns bis heute von Anderen die Begriffe vorgeben für das, was wir sind?

Friedrich Engels in seinem Vorwort zur 3. französischen Auflage von “Das Kapital” von Karl Marx:

“Es ist also in dieser dritten Auflage kein Wort geändert, von dem ich nicht bestimmt weiß, dass der Verfasser selbst es geändert hätte. Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das “Kapital” den landläufigen Jargon einzuführen, in welchem deutsche Ökonomen sich auszudrücken pflegen, jenes Kauderwelsch, worin z. B. derjenige, der sich für bare Zahlung von andern ihre Arbeit geben läßt, der Arbeitgeber heißt, und Arbeitnehmer derjenige, dessen Arbeit ihm für Lohn abgenommen wird. Auch im Französischen wird travail im gewöhnlichen Leben im Sinn von “Beschäftigung” gebraucht. Mit Recht aber würden die Franzosen den Ökonomen für verrückt halten, der den Kapitalisten donneur de travail, und den Arbeiter receveur de travail nennen wollte”
(http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_033.htm; siehe auch
https://neusprech.org/arbeitgeber/)