„Unter Druck – Journalistische Handlungsspielräume in der deutschen Nahostberichterstattung“

Zitat aus der Einführung zur Studie: 

"Ein Forschungsteam der Freien Universität Berlin hat untersucht, wie Handlungsspielräume bei der Berichterstattung über den Nahostkonflikt von Medienschaffenden wahrgenommen werden. Diese Studie ist im Oktober 2026 als Arbeitspapier des CeMIL erschienen.

Für die Studie befragten Prof. Dr. Carola Richter, Dr. Jannis Julien Grimm und Nina Moya Schreieder im Mai und Juni 2026 Journalist:innen, die für deutsche Medien zur Nahost-Region und damit verbundenen Themen berichten. Von fast 600 systematisch ausgewählten Journalist:innen nahmen rund 30 Prozent an der anonymen Online-Befragung teil – eine vergleichsweise hohe Rücklaufquote. „Offensichtlich gab es ein großes Bedürfnis bei mit dem Thema befassten Journalist:innen, sich zu äußern“, sagt Prof. Dr. Carola Richter.

Zwei Drittel der befragten Journalist:innen gaben an, dass sich die Pressefreiheit in diesem Themenfeld seit dem 7. Oktober 2023 verschlechtert habe. Fast drei Viertel nehmen eine gestiegene Bedrohungslage wahr. Nicht nur äußerer Druck, sondern auch Konflikte und Hierarchien innerhalb von Redaktionen spielen aus Sicht der Befragten eine wichtige Rolle."

Quelle:

Hier eine kleine Zusammenfassung der Studie „Unter Druck. Journalistische Handlungsspielräume in der deutschen Nahostberichterstattung“

„Schon die Erwartung negativer Konsequenzen kann dazu führen, sich zurückzuhalten“

Wie frei berichten Medien über den Nahostkonflikt? Ein Interview mit Carola Richter und Jannis Grimm zu den Ergebnissen ihrer jüngsten Studie

Zitat aus dem Interview:

Frage: Was sind die wichtigsten Aussagen der Studie?

Richter: Für mich ist der dringlichste Befund, dass bei der Nahostberichterstattung in vielen Redaktionen und zwischen einzelnen Medien offensichtlich ein toxisches Diskursklima herrscht, das bedrohlich für die innere Pressefreiheit ist. Gemeint ist damit, dass in Redaktionen eigentlich ein gewisser Meinungspluralismus herrschen sollte, sodass unterschiedliche Perspektiven offen artikuliert werden können. Bei Nahost-Themen fürchten aber viele der Befragten berufliche Nachteile oder öffentlich an den Pranger gestellt zu werden, wenn sie sich in einem verengten Meinungskorridor abweichend verhalten. Als Themen mit solch einem verengten Meinungskorridor werden laut unserer Befragung vor allem Menschen- und Völkerrechtsverletzungen Israels, die israelische Politik und Pro-Palästina-Proteste gesehen.

Jannis Grimm: Mich beunruhigt besonders, wie ungleich sich der Druck verteilt. 35 Prozent der Befragten insgesamt verspüren ein Bedürfnis nach Selbstzensur; unter freien Journalist*innen ist es aber die Hälfte, ebenso unter Befragten mit Migrationsgeschichte. Das zeigt: Wer zu einer vulnerableren Gruppe gehört, wer um den nächsten Auftrag fürchten muss, ist gegenüber solchem Druck besonders verletzlich. Äußere Anfeindungen und die Sorge vor beruflichen Nachteilen können sich dabei gegenseitig verstärken. Wenn bestimmte Perspektiven und Positionalitäten deshalb seltener öffentlich zu Wort kommen – worauf ja auch jüngste Untersuchungen zur ungleichen Repräsentation verschiedener Sprecherpositionen in Talkshows hindeuten – betrifft das nicht nur einzelne Journalis*innen, sondern auch die Vielfalt der Berichterstattung insgesamt.

Quelle:


Hier die 48-seitige Studie:


Quelle:


Auswertung ‘Nahost-Berichterstattung in Deutschland nach dem 7.
Oktober 2023’

Hier ist die 300-seitige Auswertung der Studie:


Beitragsbild: KI-erstelltes Bild.