Das folgende Video ist auf Initiative des Arbeitskreises gegen Rechts ver.di München entstanden.
Ich denk, ich schreib‘ euch besser schon beizeiten
Und sag‘ euch heute schon endgültig ab
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten
Um zu seh’n, dass ich auch zwei Söhne hab‘
Ich lieb‘ die beiden, das will ich euch sagen
Mehr als mein Leben als mein Augenlicht
Und die, die werden keine Waffen tragen
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Ich habe sie, die Achtung vor dem Leben
Vor jeder Kreatur als höchstem Wert
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und wo immer es ging, lieben gelehrt
Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind’s wert, dafür zu töten und zu sterben
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter
Sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht
Nicht für euch und nicht als Kanonenfutter
Nicht für euch hab‘ ich manche Fiebernacht
Verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden
Und kühlt‘ ein kleines glühendes Gesicht
Bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Sie werden nicht in Reih und Glied marschieren
Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt
Auf einem gottverlass’nen Feld erfrieren
Während ihr euch in weiche Kissen setzt
Die Kinder schützen vor allen Gefahren
Ist doch meine verdammte Vaterpflicht
Und das heißt auch, sie vor euch zu bewahren
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Ich werde sie den Ungehorsam lehren
Den Widerstand und die Unbeugsamkeit
Gegen jeden Befehl aufzubegehren
Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit
Ich werd‘ sie lehr’n, den eignen Weg zu gehen
Vor keinem Popanz, keinem Weltgericht
Vor keinem als sich selber gradzustehen
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Und eher werde ich mit ihnen fliehen
Als dass ihr sie zu euren Knechten macht
Eher mit ihnen in die Fremde ziehen
In Armut und wie Diebe in der Nacht
Wir haben nur dies eine kurze Leben
Ich schwör’s und sag’s euch grade ins Gesicht
Sie werden es für euren Wahn nicht geben
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Text: Reinhard Mey
Es ist an der Zeit
Weit in der Champagne im Mittsommergrün
Dort, wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blühn
Da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht im Wind
Der sanft über das Gräberfeld streicht
Auf deinem Kreuz finde ich „toter Soldat“
Deinen Namen nicht, nur Ziffern
Und jemand hat die Zahl 1916 gemalt
Und du warst nicht einmal neunzehn Jahre alt
Auch dich haben sie schon genauso belogen
So wie sie es mit uns heut immer noch tun
Und du hast ihnen alles gegeben
Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben
Hast du, toter Soldat mal ein Mädchen geliebt?
Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt
Können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeihn
Warst Soldat, um zu sterben nicht um jung zu sein
Vielleicht dachtest du dir: „Ich falle schon bald“
Nehme mir mein Vergnügen wie es kommt, mit Gewalt
Dazu warst du entschlossen, hast dich aber dann
Vor dir selber geschämt und es doch nie getan
Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
So wie sie es mit uns heut immer noch tun
Und du hast ihnen alles gegeben
Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben
Soldat, gingst du gläubig und gern in den Tod?
Oder hast du, verzweifelt, verbittert, verroht
Deinen wirklichen Feind nicht erkannt bis zum Schluß?
Ich hoffe es traf dich ein sauberer Schuß
Oder hat ein Geschoß dir die Glieder zerfetzt?
Hast du nach deiner Mutter geschrien bis zuletzt?
Bist du auf deinen Beinstümpfen weitergerannt
Und dein Grab birgt es mehr als ein Bein, eine Hand?
Auch dich haben sie schon genauso belogen
So wie sie es mit uns heut immer noch tun
Und du hast ihnen alles gegeben
Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben
Es blieb nur das Kreuz als einzige Spur
Von deinem Leben doch hör meinen Schwur
Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein
Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein
Dann kann es geschehen, daß bald niemand mehr lebt
Niemand, der die Milliarden von Toten begräbt
Doch längst finden sich mehr und mehr Menschen bereit
Diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit
Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
So wie sie es mit uns heut immer noch tun
Und du hast ihnen alles gegeben
Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben
Songwriter: Eric Bogle