Last Updated on 04/08/2026 by Benedikt Hopmann
Zur Eröffnung des Weltsozialforums ein Gastbeitrag von Lotte Jäger, Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte bei WEED – World Economy, Ecology and Development e.V.:
Cotonou und Berlin, 4. August 2026.
Heute wird das 18. Weltsozialforum in Cotonou, Benin, eröffnet. Mit bis zu 50.000 erwarteten Teilnehmer*innen aus über 100 Ländern ist es eines der wichtigsten Treffen der globalen Zivilgesellschaft. Unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ und als Alternative zum Weltwirtschaftsforum in Davos bringt das Weltsozialforum seit 2001 Akteur*innen zusammen, die sich für soziale, ökologische und wirtschaftliche Gerechtigkeit, Menschenrechte und internationale Solidarität einsetzen.
Aus Deutschland nimmt eine der größten Delegationen aus Nichtregierungsorganisationen und sozialen Bewegungen seit über zehn Jahren am Forum teil, darunter Brot für die Welt, Misereor, Werkstatt Ökonomie e.V., Medico International e.V., Attac, Debt for Climate, Afrique-Europe-Interact, das KONE Netzwerk, MeineWelt, WEED, die Kampagnen „Sicherheit Neu Denken“ und „10 % for all“ sowie die Jugendorganisation der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft. Die Delegation wird sich vor Ort mit sozialen Bewegungen, Gewerkschaften sowie Menschenrechts-, Umwelt- und Indigenenorganisationen aus aller Welt austauschen. Über fünf Tage wird das Forum in Cotonou mehrere hundert Veranstaltungen und gemeinsame Proteste umfassen.
Dass das Forum in diesem Jahr in Benin stattfindet, ist ein starkes politisches Signal. Westafrika ist eine Region, in der globale Ungleichheiten und Krisen besonders spürbar sind und in der gleichzeitig seit Jahrzehnten soziale Bewegungen für politische Alternativen kämpfen.
Untenstehend finden Sie verscheiden O-Töne beteiligter Organisationen aus Deutschland. Für Ihre Berichterstattung bieten wir Interviews, Hintergrundgespräche und die Vermittlung von Kontakten zu sozialen Bewegungen und Organisationen vor Ort an.
Kontakt:
Lotte Jäger
Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte bei WEED – World Economy, Ecology and Development e.V.
Tel.: +49 152 27008088 (ausschließlich über Online-Messenger)
E-Mail: lotte.jaeger@weed-online.org
O-Töne beteiligter Organisationen aus Deutschland:
„Vor dem Hintergrund weltweiter Aufrüstung und Kriege, wachsendem Autoritarismus und schrumpfender zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume kommt dem Weltsozialforum eine besondere Bedeutung zu. Auf dem Forum steht die Verständigung der Zivilgesellschaft im Zentrum“, erklärt Carmen Junge von Attac, dem Netzwerk für globale Gerechtigkeit.
„Während die Großmächte in Krieg und gesellschaftliche Spaltung investieren, erzählt das Forum ein anderes Narrativ und zeigt der Weltöffentlichkeit positive Szenarien und Realitäten“, sagt Hubert Heindl von der Kampagne „Rethinking African Security“.
„Die wachsende Zahl bewaffneter Konflikte und Kriege macht deutlich, dass ein Prioritätenwechsel stattfinden muss: Statt weltweit immer mehr gesellschaftlichen Reichtum in militärische Aufrüstung zu stecken, braucht es ein anderes Verständnis von Sicherheit, das sicheren Zugang zu Land, Wohnraum und Nahrung, aber auch Gesundheitsversorgung und Bildung in den Mittelpunkt rückt“, sagt Aïda Roumer von „10 % for all“.
Wie eng die globalen Krisen zusammenhängen, zeigt sich in vielen Diskussionen des Forums. „Die Klimakrise ist untrennbar mit der globalen Schuldenkrise verbunden. Ohne die Streichung illegitimer Schulden bleiben viele Länder darin gefangen, fossile Rohstoffe weiter auszubeuten“, betont Emma Brandes von der Bewegung Debt for Climate.
Auch die Folgen europäischer Grenzpolitik und die Kämpfe für Bewegungsfreiheit gehören zu den zentralen Themen des Weltsozialforums. Hans-Georg Eberl vom transnationalen Netzwerk Afrique-Europe-Interact verdeutlicht: „Während Waren und Reichtümer im Interesse des Kapitals weltweit zirkulieren sollen, errichten viele Staaten gewaltvolle Grenzregime gegen Menschen. Unsere Antwort ist das Recht zu gehen, das Recht zu bleiben und das Recht zusammenzukommen – wie hier beim Weltsozialforum.“
Renée Eloundou von der afrodiasporischen Organisation ASID Europe unterstreicht: „Für die deutsche Zivilgesellschaft ist das Weltsozialforum in Cotonou eine wichtige Möglichkeit, von den Erfolgen von Bewegungen in Westafrika zu lernen, beispielsweise von der gerechten Verwaltung von Land oder starken Frauenorganisationen. Zudem werden hier koloniale Kontinuitäten und Rassismus offen kritisiert und angegangen.“
Charlotte Ndamm-Nijkoufon vom afrodiasporischen Netzwerk KONE betont zudem: „Das Weltsozialforum ist für die afrikanische Diaspora und migrantische Selbstorganisationen ein zentraler Ort des Austauschs, des gegenseitigen Lernens und der politischen Mitgestaltung. Globale Gerechtigkeit gelingt nur, wenn die Erfahrungen und das Wissen der Communities, die von Rassismus, kolonialen Kontinuitäten und Ungleichheit betroffen sind, gleichberechtigt in internationale Debatten und Entscheidungen einfließen.“
„Die Antworten auf die vielen Krisen unserer Zeit existieren bereits. Das Weltsozialforum verbreitet seit 25 Jahren konkrete Alternativen zu Ausbeutung, Militarisierung und kapitalistischen Wachstumslogiken“, erklärt Hannah Kentouche von der Menschenrechtsorganisation medico international e.V.
„Gerade weil politische Entscheidungsträger*innen und große Konzerne in Europa unsere sozialen und ökologischen Krisen weiter verschärfen, müssen wir als globale Zivilgesellschaft internationale Solidarität von unten stärken. Auch wenn es für viele gerade ausweglos scheint: Das Weltsozialforum zeigt, dass eine andere, gerechtere Welt immer noch möglich ist. Sie entsteht hier, wo Menschen sich solidarisch zusammentun und sie gemeinsam erkämpfen“, erklärt Lotte Jäger von der wirtschaftspolitischen Nichtregierungsorganisation WEED.

Lotte Jäger
Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte
Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung – WEED e.V.
Am Sudhaus 2, 12053 Berlin
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