Buchenwald und Kufiyas

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Einführung

Im Jahr 2024 konnte eine Besucherin erst nach erheblichen Auseinandersetzungen die Gedenkstätte Buchenwald betreten, weil sie mit einer Kufiya bekleidet war. Im nächsten Jahr waren die internen Handreichungen geändert und derselben Person, die wieder mit einer Kufiya bekleidet war, wurde der Zugang zur Gedenkstätte verwehrt. Auch nach einer schriftlichen Bitte um Zugang blieb die Gedenkstätte dabei, Anna den Zugang zu verbieten. Ein gerichtliches Eilverfahren, um doch noch einen Zugang durchzusetzen, war erfolglos. Das Verfahren in der Hauptsache wurde erst im Februar 2026 eingeleitet. Die Kampagne “Kufiya in Buchenwald” will das Anliegen, auch Personen mit Kufiya den Zugang zur Gedenkstätte zu erlauben, in der Öffentlichkeit unterstützen. Diese Kampagne stellt zugleich grundsätzliche Fragen zum gegenwärtigen Erinnern an die Verbrechen des Faschismus.

Auf vielen Gedenksteinen ist zu lesen. “Den Toten zum Gedenken. Den Lebenden zur Mahnung.” Auch die Gedenkstätte Buchenwald hieß ursprünglich nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald. Der damit schon im Namen dieser Gedenkstätte enthaltene Auftrag der Mahnung wurde aus dem Namen gelöscht. Tatsächlich meinen einige im Rahmen der Auseinandersetzung um die Kampagne, die Gedenkstätte Buchenwald soll sich darauf beschränken, der 56.000 Ermordeten zu gedenken[1]Christian Klemm über den Kufiya-Streit in der Gedenkstätte nahe Weimar , Selbstbefreiung von Buchenwald: Der Holocaust ist einzigartig, in: nd v. 25.3.2026, … Continue reading.

Doch das ist unvereinbar mit dem Schwur von Buchenwald, der einen klaren Auftrag enthält: “Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau eine neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.”

Würde sich die Gedenkstätte dem Schwur von Buchwald verpflichtet fühlen, dann müsste sie deutlich die bundesrepublikanische Politik der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung verurteilen. Das geschieht aber in Buchenwald nicht. Vielmehr wird darüber geschwiegen, dass die Bundesrepublik – anstatt eine “neue Welt des Friedens” aufzubauen – in einem nie gekannten Ausmaß aufrüstet und sich ausdrücklich das Ziel stellt, die stärkste Militärmacht in Europa zu werden.

Würde sich die Gedenkstätte dem Schwur von Buchwald verpflichtet fühlen, dann dürfte sie nicht nur der 56.000 Ermordeten gedenken, sondern müsste unmissverständlich die Unterstützung des Völkermordes an den Palästinensern durch die Bundesrepublik Deutschland verurteilen. Diese Gedenkstätte steht nicht in irgendeinem Land der Welt, sondern in Deutschland und erinnert an die Verbrechen des deutschen Faschismus, an seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie sie in den Nürnberger Prozessen zur Anklage gebracht wurden, und an seine Völkermorde, wie sie wenige Jahre später als Völkerrechtsverbrechen in der Völkermordkonvention kodifiziert wurden.

Es geht also um eine Mahnung zuallererst an die deutsche Gesellschaft. Es geht darum, solche Verbrechen im eigenen Land niemals mehr zuzulassen. Aber es geht auch darum, niemals in irgendeinem anderen Land der Welt solche Vebrechen auch nur zu unterstützen.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat in seiner Eilentscheidung ausdrücklich erklärt, ein Völkermord Israels an den Palästinensern im Gaza sei plausibel. Wer den Schwur von Buchenwald ernst nimmt, darf in der Gedenkstätte Buchenwald über die Unterstützung dieser mörderischen Politik durch Deutschland nicht schweigen. Oder sollen wir warten, bis auch sechs Millionen Palästinenser ermordert worden sind?

Wenn die Bundesrepublik Deutschland Völkermord, Annexionen und Apartheid Israels gegen die Palästinenser unterstützt, muss das in Buchenwald benannt und verurteilt werden.

Wenn die die Bundesrepublik Deutschland Aufrüstung und Kriegsvorbereitung betreibt, muss das in Buchenwald benannt und verurteilt werden.

Im Folgenden Beiträge zur Kampagne “Kufiyas in Buchenwald” und zum KZ Buchenwald


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Inhaltsverzeichnis


21.04.2026: Interview Junge Welt: »Kufiyas in Buchenwald«
Eine Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur – Video

Zitat:
Die Kampagne »Kufiyas in Buchenwald«, getragen von Jüdinnen und Juden, Kommunistinnen und Kommunisten sowie propalästinensischen Organisationen, stellt die offizielle deutsche Erinnerungspolitik in Frage. Ausgangspunkt ist ein Vorfall im Jahr 2025, als der Aktivistin Anna am 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald der Zutritt verweigert wurde, weil sie eine Kufija trug. Während die Kampagne darin politische Zensur sieht, verweist die Gedenkstätte auf den Schutz der Würde des Ortes und auf ihre Regeln zu politischen Symbolen. Auch eine für den 12. April 2026 geplante Mahnwache wurde untersagt. Dennoch versammelte sich an diesem Tag eine Gruppe jüdischer Aktivistinnen und Aktivisten – darunter Nachfahren von Überlebenden – spontan auf dem Gelände und verlas eine Erklärung, die fordert, Erinnerung müsse auch die Situation in Gaza sowie die Verantwortung Deutschlands thematisieren.

Quelle:

Hinweis zum Film: Die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“, getragen von Jüdinnen, Kommunist:innen und pro-palästinensischen Organisationen, stellt die offizielle deutsche Erinnerungspolitik infrage. Ausgangspunkt ist ein Vorfall im Jahr 2025, als der Aktivistin Anna am 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald der Zutritt verweigert wurde, weil sie eine Kufiya trug. Während die Kampagne darin politische Zensur sieht, verweist die Gedenkstätte auf den Schutz der Würde des Ortes und ihrer Regeln zu politischen Symbolen. Auch eine für den 12. April 2026 geplante Mahnwache wurde untersagt. Dennoch versammelte sich an diesem Tag eine Gruppe jüdischer Aktivist:innen – darunter Nachfahren von Überlebenden – spontan auf dem Gelände und verlas eine Erklärung, die fordert, Erinnerung müsse auch die Situation in Gaza sowie die Verantwortung Deutschlands thematisieren.

Im Interview sprechen Anna und Tair, beide Teil der Kampagne, über die politische Dimension des Konflikts. Für sie stellt die offizielle Linie der Gedenkstätte eine Entpolitisierung der Geschichte dar. Sie verweisen auf den „Schwur von Buchenwald“, der den Kampf gegen die Wurzeln von Faschismus, Krieg und Unterdrückung formuliert, und sehen darin eine Verpflichtung, historische Erfahrungen mit gegenwärtigen Kämpfen zu verbinden. Erinnerung dürfe nicht auf ritualisierte Vergangenheitspolitik reduziert werden, sondern müsse gesellschaftliche Kontinuitäten sichtbar machen.

Im Zentrum der Kritik steht die deutsche „Staatsräson“, die aus der Erinnerung an den Holocaust eine bedingungslose Unterstützung Israels ableitet. Nach Auffassung der Kampagne dient dies dazu, Dissens zu delegitimieren und Proteste gegen Krieg und Kolonialismus zu kriminalisieren. Bei der Mahnwache trugen Teilnehmende T-Shirts mit Aufschriften wie „Jews Against Genocide“ und „From Buchenwald to Gaza – Resistance until Liberation“, um auf Kontinuitäten imperialistischer Gewalt und deutsche Mitverantwortung hinzuweisen. „Kufiyas in Buchenwald“ verbindet das Erbe des antifaschistischen Widerstands mit aktuellen Kämpfen gegen Krieg, Rassismus und Ausbeutung – und stellt die Frage nach den politischen Konsequenzen aus der Geschichte.


12.04.2026: Pressemeldung: Mahnwache in Buchenwald

Zitat:
+++Jüd:innen aus der Kampagne ‘Kufiyas in Buchenwald’ veranstalten spontane Mahnwache auf dem Gelände des ehemaligen KZ Buchenwald trotz Verbot+++

Am Samstag versammelte sich eine Gruppe von Jüd:innen aus der Kampagne ‘Kufiyas in Buchenwald’ – unter ihnen Nachfahren von Holocaustüberlebenden – in der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Buchenwald, um bei einer Mahnwache auf den derzeitigen Völkermord in Palästina aufmerksam zu machen. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Weimar das Verbot der „Mahnwache für die Opfer von Völkermord und Faschismus“, die für den 12. April vorgesehen war, bestätigt.

“Sie wollten, dass wir stattdessen in Weimar Seite an Seite mit zionistischen Protesten unsere Mahnwache abhalten. Dadurch sollte eine Situation konstruiert werden, bei der sich zionistische und antizionistische Gruppen in Weimar – wo die Täter von Buchenwald wohnten – gegenüberstehen, um von der Gedenkstätte selbst und ihrer Verantwortung abzulenken,” so Tair B. Anmelderin der verbotenen Mahnwache. „Das Spiel werden wir nicht mitspielen. Die Leitung der Gedenkstätte muss im Fokus sein und zur Verantwortung gezogen werden für ihre ideologische Unterstützung des israelischen Völkermords.”

Hier zum Wortlaut:

Statement der Kampagne “Kufiyas in Buchenwald”.

Zitat:

"Seit geraumer Zeit beobachten wir, wie die Gedenkstätte Buchenwald, ein ehemaliges Konzentrationslager des deutschen Faschismus, zunehmend zu einem Ort des Geschichtsrevisionismus und der Genozidleugnung wird. Statt die Verfolgten zu ehren und jedem Völkermord entschlossen entgegenzutreten, verbreitet die Gedenkstätte israelische Propaganda und liefert die ideologische Munition für den andauernden Genozid in Palästina. "         

Zum Wortlaut des Statement
:

Statement von Thomas, Jüdische Stimme, zum israelischen Gesetz über die Todesstrafe gegen Palästinenser


Kleine Fotogalerie:

Fotos: KiB

References

References
1 Christian Klemm über den Kufiya-Streit in der Gedenkstätte nahe Weimar , Selbstbefreiung von Buchenwald: Der Holocaust ist einzigartig, in: nd v. 25.3.2026, https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198564.kufiyas-in-buchenwald-sebstbefreiung-von-buchenwald-der-holocaust-ist-einzigartig.html